Deutschland tickt anders als die USA:

Die Tatsache, dass die großen Unternehmen in den USA trotz der Trump’chen-Steuerreform nicht mehr Investitionen tätigen, darf nicht als Beleg dafür genommen werden, dass wir in Deutschland unsere Unternehmen nicht entlasten müssen. Die Verhältnisse sind bei uns nun einmal andere. Darüber darf auch nicht die grob vereinfachende Darstellung in der neuesten Ausgabe des Spiegel hinwegtäuschen.  Im OECD-Vergleich haben deutsche Unternehmen die höchsten Steuer-und Abgabenlasten zu tragen. Dies erweist sich als großer Nachteil für die hiesigen Unternehmen im internationalen Wettbewerb. Besonders unsere kleinen und mittleren Unternehmen können nicht ausweichen und haben ihre Schmerzgrenze längst erreicht.
Nicht zu vergessen, dass neben den USA auch andere europäische Nachbarn ihre Unternehmen massiv entlastet haben oder planen dies zu tun. Und damit sind unsere Unternehmen direkt betroffen, denn die durchschnittliche Steuerbelastung von Unternehmen in den OECD-Ländern liegt bei 24,7 Prozent, während Deutschland sich auf einem Niveau von rund 30 Prozent befindet. Deutschland trägt bei Personenunternehmen bereits die rote Laterne, bei Kapitalgesellschaften werden wir sie auch bald übernehmen. Die dringende Notwendigkeit zu handeln sehen im übrigen auch führende Institute, wie das Ifo-Institut. Nach deren Schätzungen steigt die Investitionstätigkeit der Unternehmen um 14% bei einer Senkung der Steuerbelastung von 30% auf 25%.
Das Institut geht weiter davon aus, dass die in Deutschland ausgewiesenen Gewinne durch eine verringerte Steuervermeidung um rund vier Prozent zunehmen würden. Die dringend notwendige Steuerreform könnte also nahezu aufkommensneutral durchgeführt werden. Man muss nur wollen und hüte sich vor dem Vergleich von Äpfeln mit Birnen.